24.01.2011

Projekt Umzug

 

Für mich begann alles mit einem Brief der ZSOpilatus, einem förmlichen Aufgebot. Als Zivilschutzleistender sollte ich mich am Umzug des Betagtenzentrum Staffelnhof beteiligen.

 


Auf den Brief folgte ein Kurs, in dem die anderen Zivilschützer und ich, die Details des geplanten Einsatzes erfuhren.

Bald darauf fand ich mich um sieben Uhr morgens im Zivilschutzzentrum Luzern wieder. Kleider fassen. Oranges T-Shirt, grüne Hosen. Erfreulicherweise keine Stiefel.
Während wir im Auto zum Einsatzort transportiert werden, ist es still. Es macht sich wohl jeder seine Gedanken zu den folgenden zwei Tagen, an denen wir einem Menschen bei einem schwierigen Umzug zur Seite stehen.

Wir sind ungefähr 30 Zivilschützende der ZSOpilatus, die an zwei Tagen in die Betreuung von betagten Menschen schnuppern können. Und ganz unabhängig davon, wie der Einsatz im Vorfeld vielleicht beurteilt wurde, sobald wir in Kontakt mit den Leuten kommen, ist sich jeder seiner Verantwortung und der Bedeutsamkeit seines Einsatzes bewusst.

Wir treffen auf eine Generation, die bei der Mondlandung wohl schon erwachsen war, den Aufstieg und Fall der Sowjetunion miterlebt und für 90 Rappen in der Stunde gearbeitet hat.
Wir treffen auf Menschen, die einen unvorstellbar weiten Weg hinter sich haben, einen riesigen Rucksack mit Erinnerungen mit sich tragen und trotzdem weitergehen.

Jeder Betreuer wird einer Person zugewiesen, die am jeweiligen Tag den Umzug vollziehen wird.
Während eine Umzugsfirma sich um die festen Tatsachen kümmert, sind wir mit den BewohnerInnen vom Staffelnhof in der Cafeteria und warten mit ihnen darauf, dass sie in ihr neues Zuhause gebracht werden können.
Während dieser Zeit wird bei Kaffee und Gebäck geplaudert und gespielt. Nirgends sieht man, dass sich Betreuer und BewohnerInnen einfach nur anschweigen. Man kann sehen, dass diese Begegnungen für alle Beteiligten eine positive Erfahrung darstellen.

Man spürt, dass der Umzug bei den BewohnerInnen Unsicherheiten und Ängste hervorruft, dass hier Probleme existieren, mit denen wir uns noch nicht befassen müssen. Ich denke, jeder, der einen solchen Austausch zum ersten Mal erlebt hat, kommt nicht darum herum, die ältere Bevölkerung mit anderen Augen zu sehen.

Im Namen meiner Einsatzgruppe hoffe ich, dass sich alle Beteiligten mit dem Erscheinen dieses Artikels bereits in ihrem neuen Heim wohl fühlen können.

samuel hofmänner

 

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