01.07.2011

Zugeschüttete Gummipuppen

 

Die ZSOpilatus nennt seit kurzem eine Stollenausrüstung ihr Eigen. An zwei Tagen lernten die Zivilschützer das neue Bergungsmaterial kennen.

 

Trümmerberge häufen sich in Haiti. Körperteile schauen aus dem Schutt hervor, Menschen schreien. Mittendrin: jene Retter, die die Menschen aus den Trümmern zu retten versuchen. Selbst wenn sie zum Teppichmesser und zur Säge greifen müssen, um ein eingeklemmtes Bein zu amputieren. Warum aber sind es diese Bilder, die einen Wiederholungskurs der Pioniere eröffnen? „In Basel hat es schon Erdbeben gegeben, selbst in Luzern hat die Erde schon gezittert“, sagt der Kursleiter. Nun wappnet sich die ZSOpilatus für den Ernstfall: Sie bildet am 20. und 21. Juni 2011 im Zivilschutzausbildungszentrum Sempach einen Pionier- und den Cobrazug zu Spezialistenzügen für die Stollenausrüstung aus. Eine Ausrüstung, die alles enthält, was es zur Bergung von Menschen in zugeschütteten Gebäuden oder Tunnels braucht – und damit alles entfernt werden kann, was zwischen Retter und Verschüttetem liegt.
Die Zivilschützer erwarten heute keine zu amputierenden Beine, sondern lediglich Gummipuppen. Dies allerdings erst am Nachmittag. Der Kurs beginnt mit einem Brocken Theorie: An vier Posten machen sich die Zivilschützer mit den Bestandteilen der Stollenausrüstung vertraut. Es sind dies die Telefonanlagen für die Kommunikation zwischen Stolleneingang und Materialausgabe, der Kehlkopffunk für die Kommunikation der Bergungstruppe untereinander, das Sicherungsmaterial für den Stolleneingang und, das vielleicht Wichtigste von allem, drei Schlitten – zwei kleine für den Materialtransport in den Stollen und einer um den Verschütteten herauszuziehen.

„Würdest du dich im Ernstfall in einen solchen Stollen getrauen?“, fragt während einer Pause ein Zivilschützer den anderen. „Klar, aber nicht wegen dieser Ausbildung, sondern weil ich als Maurer bereits weiss, wie gut man alles absichern muss.“ Andere sagen klar „Nein“. Zu gefährlich, zu eng. Nach dem Mittagessen geht die Übung schliesslich los. Zwei Gruppen haben beide zum Ziel, einen verschütteten Stollen frei zu räumen. Während eine Gruppe ihren Tunnel zuerst von Felsbrocken befreien muss und sich danach durch zugemauerte Gänge kämpft, nimmt es die andere mit einer Betonwand und einem überfluteten Keller auf. Am Ende beider Tunnels warten die Gummipuppen auf ihre Rettung. Auch wenn beim ersten Umgang mit der Stollenausrüstung noch ein wenig mehr Zeit verstreicht als es in einem Ernstfall zumutbar wäre: Am späteren Nachmittag sind beide Gummipuppen heil aus dem Schutt gezogen.


Adrian Spring
Mediengruppe ZSOpilatus

 

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