09.03.2015

Einfache Aufgaben, die wichtig sind

 

Seit Anfang Februar werden in der Zivilschutzanlage Eichhof in Luzern Asylsuchende durch die Caritas Luzern beherbergt und betreut. Die ZSOpilatus unterstützt den Betrieb in dieser Notunterkunft mit einfachen, aber wichtigen Aufgaben. Zwei Zivilschützer erzählen aus ihrem Alltag.

 

Sandro Wicki (31, Ermittler) und Silvan Gassmann (25, Papiertechnik-Ingenieur) sind heute für den Dienst in der Zivilschutzanlage Eichhof eingeteilt. Im Drei-Schichten-Betrieb besetzen sie den Eingang der Anlage und führen in einem Logbuch Protokoll darüber, welche der Asylsuchenden die Anlage verlassen und wann sie wieder zurückkehren. Diese Aufgabe ist wichtig, da sonst der Überblick fehlt, wer in der Anlage sein darf und wer nicht. Es gilt Vorfälle zu vermeiden, in denen sich sogenannte „Fremdschläfer“ ohne Erlaubnis in den Anlagen aufhalten.
Zudem kontrolliert die ZSOpilatus alle zwei Stunden die gesamte Anlage: Sind die Feuerlöscher in Takt, die Notausgänge frei von Hindernissen und funktioniert die Lüftungsanlange fehlerfrei?

Sandro und Silvan, ihr habt die einfache Aufgabe, den Einlass der Zivilschutzanlage Eichhof zu kontrollieren. Trotz der eigentlichen Einfachheit, gibt es Schwierigkeiten in der Umsetzung?
Sandro: Eigentlich nicht. Die Asylsuchenden wissen, wie das System am Einlass funktioniert. Für die weitere Betreuung wenden sie sich an die Caritas Luzern.
Silvan: Die Aufgabe ist einfach, ausser bei der Kontrolle, ob die Asylsuchenden wieder pünktlich am Abend in der Anlage sind. Sollten sie später als abgemacht in der Anlage erscheinen, kann die freie Quote, sozusagen das Sackgeld, gestrichen werden. Da ist es manchmal schwierig, ob man bei zehn Minuten Verspätung den Namen notiert oder nicht.

Findest du deine Aufgabe sinnvoll?
Sandro: Zugegeben, ich absolvierte schon spannendere Einsätze beim ZSO. Aber für das Funktionieren der Anlage ist die Aufgabe wichtig, auch wenn sie klar und einfach ist.
Silvan: Ich geniesse den Tapetenwechsel von meinem richtigen Beruf als Papiertechnik-Ingenieur. Die Situation hier ist eher ruhig und entspannt.

Die meisten Asylsuchenden sprechen kein Deutsch. Wie funktioniert die Verständigung?
Sandro: Viele sprechen ein paar Worte Englisch oder Französisch. Meistens sind sie aber eher ruhig und geben ohne Worte ihre Pässe ab. Wenn jemand weder Englisch noch Französisch spricht, hilft man sich mit Händen und Füssen weiter.
Silvan: In seltenen Fällen kommt es zu kleinem Smalltalk, in dem die Asylsuchenden von ihren Erlebnissen im Alltag erzählen.

Erfahrt ihr von den Schicksalen der Asylsuchenden?
Sandro: Nein. Es würde mich zwar interessieren, aber ich frage nicht danach.
Silvan: Grundsätzlich nicht, da die Verständigung eher schwierig ist. Eine Ausnahme war ein Asylsuchender aus dem Sudan, der dort als Englischlehrer arbeitete. Er kam als Flüchtling in die Schweiz, da er sich gegen das Regime im Sudan öffentlich geäussert hatte. Die Gespräche mit ihm waren sehr spannend und beeindruckten mich.

Hat sich euer Verhältnis zu Asylsuchenden durch den Dienst im Rahmen der ZSOpilatus verändert?
Sandro: Nein, ich war auch vor diesem Einsatz vom System mit Asylsuchenden überzeugt und finde es immer noch eine gute Sache.
Silvan: Ja, sehr. Ich war zuerst etwas verunsichert. Was sind das für Menschen? Sind die gefährlich und kriminell? All diese Vorurteile über Asylsuchende haben sich selbstverständlich nicht bewahrheitet. Es sind alle Menschen wie wir.


Nach zwei Wochen ist der Dienst der Zivilschützer Sandro und Silvan vorbei. Die Zusammenarbeit mit der ZSOpilatus laufe Hand in Hand und auf die Zivilschützer sei Verlass, sagt Arjen Faber von der Caritas Luzern. Ohne die ZSOpilatus wäre die Notunterkunft nicht möglich. Die Unterkunft in der Zivilschutzanlage Eichhof Luzern bleibt bis Ende Jahr in Betrieb. Danach muss für die Asylsuchenden eine neue Lösung gefunden werden. Arjen Faber hofft, dass der Kanton Luzern bis dann über richtige Unterkünfte und keine Notunterkünfte, wie die Zivilschutzanlage Eichhof, verfügt.

 

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Silvan und Sandro an der Eingangskontrolle

Silvan kontrolliert auf seinem Rundgang die Anlage.